Zither - Virtuose "Christoph Schwarzer"
Wissenswertes | Zithersolist Alfons Bauer
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Biographie Alfons Bauer

Alfons Bauer

Alfons Bauer, geb. am 13.05.1920 in München auf der Schwanthaler Höh‘, gestorben am 03.02.1997 in Gauting bei München. Seine letzte Ruhestätte fand Alfons Bauer auf dem Waldfriedhof in Gauting.

Die  Anfänge und Jugendzeit:

Gleichfalls wie Rudi Knabl begann auch Alfons Bauer bereits im Alter von 7 Jahren das Zitherspiel zu erlernen. Zitherunterricht nahm Alfons Bauer bei mehreren Münchner Zitherlehrern,  u.a. bei den berühmten Zithervirtuosen  Fritz Mühlhölzl und Lorenz Obermaier. Nicht selten übte Alfons Bauer bereits in den Morgenstunden ab 04.00/05.00 Uhr, während seine Mutter einer beruflichen Tätigkeit auf dem Viktualienmarkt nach ging. Er nutzte auch jede sich ergebende Möglichkeit zum Komponieren. So verwundert es nicht, dass erste Kompositionen bereits im Alter von ca. 10 Jahren entstanden sind.  Alfons Eltern, die Mutter Katharina Schamberger, von der Alfons unzweifelhaft das musikalische Talent vererbt bekam und welche ihn auch nach Kräften förderte, sowie sein Vater Peter Bauer stammten beide aus Cham im bayerischen Wald.  Im Jahr 1934, im Alter von nur 14 Jahren,  war der heranreifende Zithervirtuose bereits als Zithersolist auf Schallplatte zu hören. Mit 15 Jahren bedurfte es einer eigenen Autogrammkarte! Das virtuose und unvergleichlich gefühlvolle Zitherspiel von Alfons Bauer blieb nicht verborgen und so wurde bereits in den 30er Jahren die Reichsrundfunkanstalt, heute Bayerischer Rundfunk, auf den jungen Zithersolisten aufmerksam.

Der Zweite Weltkrieg:

Alfons mit 15 Jahren

Mit Ausbruch des zweiten Weltkriegs wurde der weitere Karriereweg von Alfons Bauer jedoch erstmals unterbrochen. Dank seines bemerkenswerten und sehr angenehmen Wesens konnte Alfons Bauer militärische Vorgesetzte für sich gewinnen und überzeugen, ihn von der Front abzuziehen und u.a. zur Unterhaltung der kämpfenden Truppe sowie seiner Kameraden einzusetzen. Seine musikalischen Fähigkeiten, ganz besonders aber seine Sprecherstimme wurden von der Wehrmacht  erkannt und auch genutzt. Alfons Bauer wurde nunmehr vorwiegend als Radiosprecher  in Polen und Rußland (Sowjetunion)  eingesetzt. Aufgrund seines Könnens und seiner Ausstrahlung gestattete man ihm während der Kriegszeit auch noch die Gründung eines Unterhaltungsorchesters zur Truppenbetreuung.

 

 

Kriegsende und Neubeginn:

   

Drei Monate nach Kriegsende, genauer gesagt am 19.08.1945 um 13.15 Uhr war Alfons Bauer dann erstmals wieder öffentlich im Radio München (zu diesem Zeitpunkt handelte es sich noch um einen Sender der alliierten Militärregierung) mit seinen Musikanten zu hören. Zu den ersten Programm Ansagern zählten  „Blacky“ Joachim Fuchsberger, Walter Sedlmeier und Ruth Kappelsberger, die sog. „Stimme Bayerns“. Musiziert wurde nach wie vor immer noch live!

Aufgrund seines Könnens und der sehr guten unterhaltenden Musik, welche Alfons Bauer zum Besten gab, wurde dieser dann in den Jahren 1946/1947 zum Leiter der Münchner Funkschrammeln ernannt  und erhielt somit auch eine Festanstellung beim BR. Ein gutes Ein- und Auskommen schien damit gesichert zu sein.  

Überraschender Weise verzichtete der Zitherkünstler jedoch gegen Ende des Jahres 1947 auf diese Anstellung und wurde stattdessen freier Mitarbeiter aller deutschen Rundfunkstationen.  Im Jahr darauf, am 03.05.1948 schloss Alfons Bauer dann mit der Deutschen Grammophon GmbH  seinen ersten eigenen Plattenvertrag. Das Honorar betrug damals pauschal 500,00 Reichsmark (die Währungsreform sollte erst noch erfolgen) sowie 3% aus den Großhändlerverkaufserlösen.

Foto: Alfons Autogrammkarte

Vorbild: Georg Freundorfer

Viele Menschen und Künstler hatten und haben zeitlebens ein Vorbild. Beim Zithersolisten Alfons Bauer war dies kein Geringerer als der bekannte Zither-Unterhaltungsmusiker Georg Freundorfer, mit dem ihn u. a. auch sein Geburtsort auf der Schwanthaler Höh‘  in München verbindet. Der gebürtige Münchner Georg Freundorfer, welcher im Jahr 1912 nach Berlin zog, zählte in den 1920er und 30er Jahren mit seinem Salon-Orchester zu den besten deutschen Unterhaltungsorchestern dieser Zeit. Auch Freundorfer hatte sein Leben der Zither verschrieben und der Musik gewidmet. Am 24.08.1952 erteilte die Witwe von Georg Freundorfer, Frau Margarete Freundorfer dann Alfons Bauer schriftlich die Genehmigung seine Schrammelbesetzung in „Freundorfer – Funkschrammeln“ umbenennen zu dürfen, was sicherlich eine ganz besondere Ehre und Auszeichnung war.

Alfons Bauer hatte mit sog. „Da-capo-Erfolgen“ viele große Bühnengastspiele im In- und Ausland.  So erlebten ihn die Münchner und ihre Gäste z.B. im August 1953 auf der großen Bühne des Deutschen Theaters mit renommierten Größen wie z.B. Adolf Gondrell (Ein Münchner im Himmel) oder den Drei Travellers mit ihrem „bayerischen Tango-Max“.  

Foto: Alfons und seine Funkschrammeln  1949/1950

Alfons Bauer und die Volksmusik:

Aber Alfons Bauer war nicht nur auf den großen Theater- und Volksbühnen beheimatet. Viele Volksmusikgruppen verdanken Alfons Bauer zu den verschiedensten  Anlässen eine unvergessene  musikalische Zither-Begleitung. Zu nennen sind hier u.a. die Fischbachauer Sängerinnen, die Gebrüder Rehm oder die Waakirchner Sänger. Die Fischbachauer Sängerinnen verdanken zudem auch noch Ihre erste Schallplatte Alfons Bauer. Viele weitere Schallplatten mit den genannten Gruppen zeugen auch noch heute  vom sehr umfangreichen Schaffen im Genré der Volksmusik und sind heute wertvolle musikalische Zeitdokumente.  Auch Wastl Fanderl, welcher in späteren Jahren mit seiner „Bayerischen Singwoche“ und dem „Bayerischen Bilder- und Notenbücherl“ in Funk und Fernsehen zu Ruhm und Ehren gelangte, nahm die musikalischen Dienste von Alfons Bauer ebenso gerne in Anspruch, wie viele andere bekannte Größen im Musikgeschäft dieser Zeit.  Eine ganz besondere Freude und zu den schönsten Erlebnissen im Leben des Alfons Bauer zählte u.a. die Begegnung mit Mädy von Liebermann, der Lebensgefährtin von Ludwig Thoma im Jahre 1960 bei einer gemeinsamen Veranstaltung mit den Waakirchner Sängern. Hervorzuheben ist sicherlich auch noch das zu dieser Zeit sehr bekannte Alfons-Bauer-Trio, mit Heini Frei am Akkordeon und Eduard Ellersdorfer an der Kontragitarre.

Foto: Alfons Bauer-Trio mit Heini Frei und Eduard Ellersdorfer

Auszeichnungen und Ehrungen:

Ein Spruch im Volksmund besagt: Ehre wem Ehre gebührt! Zeit seines Lebens erhielt Alfons Bauer viele Auszeichnungen und Ehrungen. U.a. wurde ihm im Jahr 1961 von der Plattenfirma Electrola vom damaligen Geschäftsführer Herrn Rudolf Engleder  der „Silberne Hund“, von der Rundfunkgesellschaft „Radio Maritim“ in Spanien der PREMIO, sowie in Deutschland die „Hermann-Löns-Medaille“ verliehen. Eines der schönsten Komplimente jedoch machte ihm bei einer gemeinsamen Floßfahrt zusammen mit Rudi Carell der damalige, heute legendäre Oberbürger-meister der Stadt München, Thomas Wimmer.  Dessen Ausspruch „Alfons, des muaß i‘ dir sag’n: Respekt, Respekt, des is‘ a‘ Musi mit Herz. Mach‘ nur weiter so!“ ist bis heute bezeichnend.

Alfons Bauer war ein lustiger und sehr geselliger Mensch. Verkleidet als „Alfonsine“ im prächtigen Dirndl G’wand bei einem seiner berühmt-berüchtigten Hausbälle brachte ihm neben 100 roten Rosen und 5 Heiratsanträgen allerdings auch eine Strafanzeige wegen Beleidigung ein, was letztlich allerdings ohne Folgen blieb.

Foto: „Alfonsoline“

Die Schallplatten Produktionen:

So außergewöhnlich der Zithersolist Alfons Bauer als Mensch und Künstler war, so außergewöhnlich waren immer wieder auch seine Schallplatten Produktionen. So entstanden u.a. in den 60er Jahren beim Plattenlabel Polydor weihnachtliche Aufnahmen in Bethlehem. Hierfür waren viele Schwierigkeiten zu überwinden. Letzten Endes war dieses „kleine Wunder“ dann der Empfehlung des Weihbischofs von München, Dr. Neuhäuser, dem freundlichen Entgegenkommen des damaligen Patriarchen von Jerusalem, Albertus Gori, der großzügigen Unterstützung von Pater Guardiano sowie vielen anderen Kirchenpersönlichkeiten zu verdanken.

Das Plattenlabel „ISARTON“ wird gegründet:

A.Bauer und R.Stolz

Bewundernswert waren auch der enorme Fleiß und Arbeitssinn des Künstlers sowie sein bemerkenswerter Geschäftssinn. Angeregt von Herrn Dr. Kajewski, Direktor der Schallplattenfirma EMI, gründete Alfons Bauer dann im Jahr 1967 seine eigene Plattenfirma „ISARTON“. Die zündende Idee zu diesem Namen hatte seine Ehefrau Rita, mit welcher Alfons im Jahr 1968 den Bund fürs Leben schloss und welche ihn auch u.a. mit der Kontragitarre oder dem Akkordeon zeitlebens musikalisch begleitete.

Im Jahr 1970 wurde die erste, unter dem eigenen Plattenlabel ISARTON aufgenommene Schallplatte „Goldene Jodlerklänge“ mit Maria und Margot Hellwig produziert. Diese LP wurde mit „Gold“ ausgezeichnet. Zwei weitere Verträge mit Maria und Margot Hellwig folgten in den Jahren 1975 und 1991! Insgesamt aber brachten es ISARTON und Maria Hellwig zu Lebzeiten auf sechs Schallplattenproduktionen.

Eine von 1965 bis zu dessen Tod 1974 andauernde Zusammenarbeit  mit dem weltberühmten Komponisten Robert Stolz, zeigt zudem einmal mehr, welche Wertschätzung man Alfons Bauer bis in höchste Komponisten-Kreise entgegenbrachte. Nicht zuletzt bestätigt auch eine persönliche Widmung Robert Stolz‘ die aufrichtige Bewunderung für den Zithervirtuosen Alfons Bauer. Viele große Namen von Musiker Kollegen wie Lolita, Willi Schneider, Rudolf Schock, Maria und Margot Hellwig, Otto Ebner, Die drei lustigen Moosacher, Hansl Grönauer, Luis Trencker  u.v.a. fügen sich in die Reihen der Bewunderer.  Auch wenn auf die jeweiligen Namen dieser bekannten Volksmusik-Größen an dieser Stelle nicht gesondert eingegangen wird, eines haben alle gemeinsam: Eine sehr vertrauensvolle und hoch wertschätzende Zusammenarbeit mit dem Zithervirtuosen Alfons Bauer und seiner Plattenfirma  ISARTON.

Alfons Bauer war nicht nur gefragter Zithersolist in Funk und Fernsehen und wirkte mit seiner Zither bei mehreren Filmaufnahmen mit, sondern galt auch als versierter Zither-Botschafter in der Welt. Ob in Afrika, Kanada oder Dakar, stets wurde er begleitet von seiner liebenswerten Ehefrau Rita. Seine Musik war über lange Zeit hinweg jeden Samstag und Sonntag im spanischen Rundfunk zu hören.

Die ursprünglich im Jahr 1948 mit dem Plattenlabel Polydor begründete Zusammenarbeit, wurde am 15.07.1976 dann erneuert und vertieft. Unter dem neuen  Label  „ISARTON-Polydor“ entstanden mit den „Almdudlern“ viele neue, auch heute noch musikalisch unterhaltene Aufnahmen. Dieser Zusammenschluss und die Produktion von Schallplatten mit vielen renommierten bayerischen Volksmusik- und Unterhaltungskünstlern sollten sich auch wirtschaftlich bestätigen.

     

Familie Bauer mit Robert Stolz

 im Studio mit Michl Lang

Hansl Grönauer mit Hans Döring von den "drei lustigen Mossachern"

 

     
     

 mit Max Griesser

mit Willi Reichert

 Alfons und Rita Bauer mit Willy Schneider

Im Jahre 1977 richtete sich der „Spanien Liebhaber“ Alfons Bauer in seinem Feriendomizil auf Teneriffa ein kleines Studio ein. Nun konnte er sich auch hier in Ruhe seiner großen Leidenschaft, der Zithermusik widmen und sich nebenbei noch von allerlei Strapazen im Musik-Business erholen.

In der über 30 Jahre währenden Firmengeschichte von ISARTON und den Schaffensjahren von Alfons Bauer wurden insgesamt mehr als 2.000 Schallplatten und Tonträger produziert sowie über 10.000 Titel aufgenommen!   Vielen Freunden volkstümlicher Unterhaltungsmusik werden zudem über 200 Eigenkompositionen, darunter Titel wie „Grüß mir mein München, Weiß-Blau-Marsch, Blumen aus Bayern, Münchner Walzerklänge u.v.a.“  in Erinnerung bleiben.

Der Mensch Alfons Bauer:

Außer der Liebe zu seiner Familie und der Musik war Alfons Bauer auch noch ein ganz großer Freund von Tieren, insbesondere von Hunden. So setzte er sich u.a. ganz besonders  in Spanien für die herrenlosen Straßenhunde ein, holte diese aus ihrem Elend oder unterstütze die Tierheime in finanzieller Hinsicht oder auch mit notwendigen Medikamenten.

Mit dem überraschenden Tod von Alfons Bauer am 03.02.1997 hat die Zitherwelt einen großen Meister und Förderer der Zither- und Unterhaltungsmusik verloren. Es bleibt zu hoffen, dass nachkommende Generationen  junger Zitherspieler auch dieses Vermächtnis zu schätzen lernen und in besonderen Ehren halten.

 

 

Ach, 23.05.2012

Christoph Schwarzer

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