Zither - Virtuose "Christoph Schwarzer"
Wissenswertes | Tegernseer Musikanten
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© 2017 Zither - Virtuose "Christoph Schwarzer"

„Die Tegernseer Musikanten“ Reiter - Holl - Kiem

 

Ohne Zweifel gehört das Gebiet in und um den Tegernsee zu den schönsten und reizvollsten Landschaftsgebieten in Bayern. Doch dieses Gebiet zählt seit ca. 200 Jahren auch kulturell zu den einträchtigsten Musikantenorten in Bayern. Dass die „Tegernseer Musikanten“ Bekanntheit und zu Ruhm und Ehren gelangten, ist unter anderem auch auf das in Mode gekommene „Theaterspielen“ diverser Laienbühnen Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts zurückzuführen.  Als Ludwig Thoma im Jahre 1909 sein Haus „Auf der Tuften“ errichtet hatte und am 25. August die Einweihung feierte, waren unter den zahlreichen Gästen und Persönlichkeiten auch die drei Musikanten Pauli Kiem, Edi Kiem und Hansl Reiter anwesend, welche als die „Tegernseer“ oder auch „Tegernseer Virtuosen-Terzett“ bekannt, bei vielen Theaterabenden der Dengg’schen Bauerntheaterbühne eine vorzügliche Zwischenmusik machten. Obwohl die einzelnen Musikanten letztendlich gar nicht aus Tegernsee stammten, so sind sie doch unter diesem einfachen Namen bis heute in Volksmusikkreisen bekannt und unsterblich geworden. Die Gebrüder Edi und Pauli Kiem stammten aus München, Hansl Reiter war ein gebürtiger Wasserburger, Brunno Lang war Gmunder, lediglich Karl Holl stammte aus Rottach.

Die „Tegernseer Musikanten“ spielten aber nicht nur beim Dengg’schen Bauerntheater oder im kleinen Kreis, sondern auch vor so berühmten Zuhörern wie dem Kapellmeister Felix Weingartner, Hermann Abendroth, Hans Knappertsbusch, oder Virtuosen und Solisten wir Heinrich Schwarz, Michael Raucheisen, Julius Patzak und Leo Slezak u.v.m. Mit dem Bauerntheater auf Tournee bereisten sie ganz Deutschland und stets waren die Zeitungsmeldungen des Lobes voll für sie.

Der in Wasserburg am Inn im Jahr 1884 als Sohn eines Musiklehrers geborene Hansl Reiter, kam bereits in frühen Jahren nach München, wo u.a. auch sein älterer Bruder am Nationaltheater als Sänger wirkte. Professor Max Zenger bescheinigte im Jahre 1895 dem jungen, erst elfjährigen Hansl Reiter ein glänzendes Zeugnis als „Cithervirtuose“ , welches ihn zum öffentlichen Auftreten berechtigte. Mit den Gebrüdern Kiem verband ihn eine enge Freundschaft. Im „Tegernseer-Virtuosen Terzett“ spielte Hansl Reiter die Schoßgeige; diese jedoch in einer virtuosen, bis heute unerreichten Art und Weise. Wenn Max Reger an stillen Nachmittagen in der einsamen Tegernseer Kirche spielte, musste der Reiter Hansl immer mit seiner Geige dabei sein. Das Hamburger Fremdenblatt lobt in einer Berichterstattung im Jahr 1936 nicht nur den Auftritt des Tegernseer- Trios als solches, sondern hebt Hansl Reiter nochmals ganz besonders als „Meister der Virtuosität und von unendlicher Weichheit und Zartheit beim Spiel“ hervor.

Als Edi Kiem im Jahre 1911 heiratete, kam für ihn dann der Rottacher Bäckermeister Karl Holl ins Trio. Nach glücklicher Heimkehr aller drei Musikanten aus dem ersten Weltkrieg, in welchem Hansl Reiter allerdings sein linkes Auge verlor, begannen Sie wieder gemeinsam zu musizieren. Nachdem der Kiem Pauli im Jahr 1924 sich ganz seiner Volksliederarbeit widmete, zudem nach Bad Kreuth zog und auch aus dem Trio ausschied, übernahmen dann Brunno Lang aus Gmund, ab 1928 Sepp Eitele und in den 1930er Jahren dann der Oberammergauer Bildhauer Karl Bartl den Part der Baßgitarre.

Über den Zitherspieler Karl Holl schreibt u.a. Prof. Karl Alexander von Müller: „Wenn er an der Zither saß, regte und bewegte sich keine Miene in seinem Gesicht, aber wenn er hin und wieder seine hellen Augen über der kühnen Adlernase aufschlug, sah man, wie lebendig und aufmerksam dieser stille Mann war. Er hat nie etwas von sich her gemacht, und man hätte aus seinem Munde nie erfahren, dass er das absolute Gehör besaß. Das ahnte man nur in dem untrüglich-reinen Sich-Anpassen und im köstlichen Klang seines Spiels“.  Karl Holl war es auch, welcher das ganze Notenmaterial besorgte und für das Trio arrangierte.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs erkrankte Karl Holl und starb schließlich am 05.05.1947 als erster des Trios. Den Zitherpart übernahm von nun an Bruno Pischetsrieder. Mit dem Ableben von Hansl Reiter und auch dem Kiem Pauli im Jahre 1960, ging das reichhaltige Musizierleben der „Tegernseer Musikanten“ zu Ende. Die Musik der „Tegernseer Musikanten“ lebt jedoch bis zum heutigen Tage weiter.

 

Tegernseer Musikanten

Hörproben:

 

01 ..  Konzert Landler  ..... 

........  04 ..  Mei Dirnerl 

......

02   Wieseer Landler   

  05   Tegernseer Menuett

 

03   Annamirl  

  06   Frische Landler

 

Quelle: Musikverlag Josef Preissler, Manching

Hinweis: Alle Rechte an Schrift und Bildmaterial liegen beim Musikverlag Josef Preissler. Der hier erfolgte Abdruck und Wiedergabe von Text und Bildmaterial wurden freundlicher und in dankbarer Weise vom Musikverlag gestattet. Eine Bestellung von Noten der „Tegernseer Musikanten“ ist unter Angabe der Verlagsnummer JP6160 beim Musikverlag Josef Preissler, Schreinerstr. 8, 85077 Manching möglich.

Quelle: Foto: Obb. Bauerntheater vom Michel Dengg (Schliersee und sein Bauerntheater v. Verlagsanstalt "Bayerland" Dachau)

 

Ach, 30.01.2014

Christoph Schwarzer

Zithersolist - Zithervirtuose: TermineEnsembleRudi Knabl CD ~ still vergnügt